Der Geschichte auf der Spur – Spurensuche auf dem Oedingerberg

Das bisher älteste Zeugnis von Oedingen ist die Urkunde vom 18. Mai 1000

Das bisher älteste Zeugnis von Oedingen ist die Urkunde vom 21. Mai 1000, in der Kaiser Otto III von der Gräfin Gerberge, der Mutter des Grafen Hermann von Werl (später Arnsberg), das Kloster Oedingen in Empfang nimmt, und es mit besonderen Privilegien ausstattet, wie sie auch die Stifte Essen und Quedlinburg besitzen, und es dem Erzbischof von Köln zu treuen Händen übergibt.

Diese Privilegien betreffen insbesondere die Immunität von jeder weltlichen Gewalt, das freie Recht sich einen eigene Vogt als weltlichen Vertreter zu wählen.

Das Recht am Orte Oedingen einen Markt abzuhalten, wie es die Klöster Essen und Quedlinburg haben, wird in der Urkunde nicht ausdrücklich erwähnt, wäre jedoch denkbar .

Urkunde aus dem Jahr 1000 – Kaiser Otto III. nimmt das Stift Oedingen unter seinen persönlichen Schutz
Die Kapelle St, Johannes d. Täufer. Erbaut 1716 aus den Steinen der Ruinen des alten Klosters.
Mit dem Patronat Johannes des Täufers übernahm man das Patrozinium des alten Klosters

Münzfund beweist „Market“ auf dem Oedingerberg

Das es in Oedingen auf dem Berge einen solchen Markt und die Flurbezeichnung „Market“ gegeben hat, beweist ein unscheinbarer Münzfund 2 ) aus dem Jahr 2009, welcher in der Zeit von 983-996 in der Münzstätte Köln oder Soest geprägt wurde. Diese kleine nur 0,58 Gramm leichte Münze ist ein Hälbling aus Silber mit der Umschrift „ODDO REX“ und „COLONIA“ auf der Rückseite 3 ).

Die Münze stammt aus der Zeit Kaiser Otto II (973-983, sein Sohn Kaiser Otto III (*980, † 1002) hat links genannte Urkunde über das Kloster
Oedingen veranlasst.

Hälbling aus Silber mit der Umschrift „ODDO REX“ und „COLONIA“ auf der Rückseite

Des weiteren eine Silbermünze 4 ), Konrad von Hochstaden,1238-1261, Münzstätte Soest.

Erzbischof mit Krummstab und Buch/ Heiliger mit Kreuzfahnen über Gebäude. Konrad von Hochstaden war Erzbischof in Köln und legte den Grundstein zum neuen Dom in Köln.

Silbermünze Konrad von Hochstaden,1238-1261, Münzstätte Soest.

Einen regen Handel auf dem Oedinger Marktplatz bezeugt auch ein kleines, unscheinbares Münzgewicht 5 ), mit einem Gewicht von 1,7Gramm und einer Kantenlänge von 14mm, welches vermutlich für eine französische Krone als Halbstück geprägt wurde und drei Lilien unter einer Krone darstellt und mit Sternen umkränzt ist.

Münzgewicht

Im Gegensatz zu heute hatten Münzen noch den genannten Gegenwert in Kupfer, Silber und Gold. Da es jedoch viele Prägungsstätten in unterschiedlichen Ländern und Feingehalten gab, musste der eigentliche Gegenwert, d.h. das Gewicht und der Feingehalt an Silber und Gold der Münze festgestellt werden. Dazu dienten solche Münzgewichte, damit die Währung im Nachbargebiet als Zahlungsmittel eingesetzt werden konnte. Das Münzen aus Frankreich hier gehandelt wurden, ist möglicherweise ein Hinweis auf Verwandte der Klosterfrauen aus diesem Land.

Neben diesen Münzfunden vom ehemaligen Marktplatz des Klosters Oedingen stammen noch eine Buckelfibel und eine Grubenschmelzfibel.
Wie lange ein Oedinger Markt bestand hatte oder ob er bis zur Auflösung des Klosters unterging, lässt sich urkundlich nicht mehr genau fassen.

Mitten auf dem heutigen Weg zur Kapelle auf dem Oedinger Berg kam noch diese Silbermünze 9) aus dem Jahre 1469 bis 1504 aus dem Boden. Sie hat einen Gewicht von 3 Gramm und einem Durchmesser von 24,5-26,0mm bei einer Dicke von 1mm.
Umschrift: FERNANDUS ETH ELISABETH REX ETT EK, eine Münze aus REGINA CASTI LEGIO ARA (Kastilien, Leon und Arragon) aus diesen drei Königreichen ist Spanien entstanden.
Die Münze stammt aus der Endzeit des Klosters, welches 1533 aufgelöst wurde.
Ein Ort mit großer Geschichte – Wo heute die Kapelle St. Johannes d. Täufer steht, befand sich schon vor dem Jahre 1000 das Stift (Kloster) Oedingen mit dem „Market“ einem der ältesten Märkte im Sauerland

Reste der alten Klosterkirche

Pfeilerstumpf der Klosterkirche des im Jahr 1000 gegründeten Klosters Oedingen

Eindrucksvolle Funde im Kernbereich des Klosters

m Kernbereich des ehemaligen Klosters werden die Funde noch eindrucksvoller. Können die Münzen vom Marktplatz in die Zeit von 950 bis 1261 eingereiht werden, so wird der spektakulärste Fund, ein feuervergoldeter karolingischer Schwertgurtbeschlag 11 ), in das ersten Drittel des 9. Jahrhunderts datiert (800-835). Er wurde in einer tiefgefahrenen Treckerspur auf dem Wirtschaftweg am Rande des Steilhanges gefunden.
Hierbei handelt es sich um einen 52mm langen und 27mm breiten Bronzebeschlag mit jeweils sieben Rundungen als Wellenform an den Längsseiten und jeweils vier an der Querseite.
Der Beschlag ist jeweils an den vier Eckrundungen sowie in der Mitte durch Nieten befestigt gewesen. Die mittleren fünf Nieten unterteilen die Schauseite in annähern zwei gleiche Hälften. Die Deutung des im Kerbschnittverfahren erstellten Ziermusters wurde von Dr. Torsten Capelle von der Altertumskommission für Westfalen, welcher den Beschlag in „Archäologie in Westfalen“ im Jahr 2009 publiziert hat, als ein Vexierbild, wie es in der metallenen Kleinkunst des Mittelalters häufiger vorkommt, eingereiht. Es könnte nach seiner Meinung zum einen als von „vorn gesehenes maskenartiges Bild mit leicht schräg gestellten spitzovalen Augen, breiter senkrechter Nasen-Kinn-Partie, die oben und unten jeweils vierfach quer gerippt ist, und bogenförmig aufgeblähten Wangen“, darstellen.
Oder zwei hockende Figuren in Seitenansicht, die beiderseits einer oben und unten jeweils vierfach quer gerippten Säule einander heraldisch gegenübergestellt sind. Die berührenden Köpfe sind spitzoval und die Schultern flügelartig gerippt. Beide Figuren sind durch eine Bandschlinge verbunden“. 12)

Feuervergoldeter karolingischer Schwertgurtbeschlag 11 ), Datiert in das erste Drittel des 9. Jahrhunderts datiert (800-835)

Möglich ist auch die Darstellung eines stilisierten Baumes mit zwei spitzovalen Blättern und daneben dargestellten Ährenbündel, welche mit einem Band über dem Stamm des Baumes verbunden sind.
Die Kunst der Karolinger zeigt genauso wie in der heutigen Zeit in gestalteten Elementen mehrere Möglichkeiten auf
mit berechtigtem Anlassen zum Nachdenken.

Sicher ist jedenfalls das dieser Schwertgurtbeschlag einem sehr reichen karolingischem Krieger gehörte, der sich nach der Zeit der Sachsenkriege (772-804) bei der Christianisierung unseres Landes durch Karl dem Großen hier in der Burg Oedingen aufgehalten haben muss.
Der Fund ist in dieser Form sicherlich einzigartig und sehr selten, obwohl ähnliche Funde in der Kerbschnitt-Technik, jedoch mit anderen Mustern, bereits in Westfalen Lippe gefunden wurden. 13)

Aus dem Besitz einer Klosterdame

Nur wenige Meter neben dem vergoldeten Schwertgurtbeschlag lag ebenfalls in einer tief gefahrenen Treckerspur eine bronzene Haarnadel 14), eine sogenannte Rudernadel.

Haar- oder Gewandnadel einer reichen Klosterdame

Solche Rudernadeln kommen bereits in der früheren Eisenzeit vor und lassen sich schwer datieren. Auf der verbreiterten Seite der Nadel befinden sich Punzierungen in doppelten übereinanderstehenden Rauten. Der jeweilige Seitenrand ist sägezahnförmig eingekerbt, an der breiten Seite verläuft ein Zierband im Zickzack-Muster. Am Übergang zwischen dem breiten Teil (Ruderblatt) und der Nadel verlaufen drei verbreiterte Umschnürungen. Sie diente vermutlich einer Klosterdame aus reichem Hause als Haar- oder Gewandnadel, denn solchen Schmuck konnte sich das gemeine Volk der damaligen Zeit nicht leisten.

Erwähnenswert

Eine massive Kanonenkugel mit einem Durchmesser von 110mm sowie ein aufgebrochener Opferstock oder eine Geldkassette aus massiven Eisenblech mit einem „Geheimfach“ im Boden die sicherlich aus einem späteren Zeitraum (16. bis 18.Jahrh.) stammen, sollten noch kurz an dieser Stelle erwähnt werden.

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